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Wieso mir Dungeon Planet nicht gefallen hat | Rezension

MissFoxy 27. Januar 2019

Werbung: Dieses Buch habe ich als Presseexemplar erhalten.

Dungeon Planet | von Tobias O. Meißner | Verlag: Piper | erschienen am 02.10.2018 | Übersetzer: – | Klappbroschur | 400 Seiten | 15.00 € (D) Weitere Informationen*

Klappentext
In einem kaum zu überwindenden Verlieslabyrinth warten hinterlistige Fallen und gefährliche Ungeheuer auf die Teilnehmer von »Dungeoncrawler«! Diese einzigartige Gameshow auf dem Planeten Laurel führt hinab in finstere Ebenen, denn nur dort wartet eine lohnende Beute. Um sie zu bekommen, muss man vor allem eins: überleben. Zumindest letzteres ist Jephron Girant vor zwanzig Jahren gelungen. Seitdem zieht er in der Einsamkeit des Weltraums mit seinem Raumschiff seiner Wege. Aber als eine junge Teilnehmerin der neuen Staffel von »Dungeoncrawler« ihn bittet, ihr zu helfen, ist Jephron plötzlich wieder Teil der Show. Und die ist gefährlicher denn je! Wird es ihm auch diesmal gelingen, »Dungeoncrawler« lebend zu verlassen und seine Begleiterin vor dem sicheren Tod zu bewahren? Und vor allem: Schafft er es sogar, die Show zu gewinnen? (Quelle: Piper)

CN: Tod, Gewalt, Sexismus

Ich habe mich im Vorfeld sehr auf Tobias O. Meißners Dungeon Planet gefreut. Die Geschichte erinnerte mich sehr an Bücher, wie Die Tribute von Panem, Arena oder Warcross. Dass der Protagonist der Geschichte männlich ist, störte mich dabei erst einmal gar nicht. Seine Begleiterin ist schließlich weiblich und ich war fest davon überzeugt, dass das Buch problembewusst an das Thema Gaming herangehen würde, wie in jedem Buch mit solch einem Thema bisher.

Ihr könnt nun sicher schon erahnen, in welche Richtung es geht. Es war definitiv nicht so. Weshalb genau und was mich besonders hinsichtlich dieses Punktes so stört, das verrate ich euch im Spoilerteil etwas weiter unten. Lasst euch an dieser Stelle aber so viel gesagt sein: Ich bin nicht nur sehr unglücklich mit dem Weg, den diese Geschichte genommen hat, ich finde das Buch darüber hinaus auch sehr problematisch. Darüber hinaus hat es mir auch sehr an Spannung gefehlt. Großen Spaß hätte ich auch mit Spannung vermutlich nicht gehabt, aber das Buch hätte sich in diesem Fall nicht so gezogen.

Flache Charaktere und unpassende Gedanken

Ganz spoilerfrei kann ich euch an dieser Stelle auch noch meine Meinung zu den Charakteren sagen. Im Fokus stehen tatsächlich nur Jephron selbst sowie die beiden Schwestern, die ihn beauftragen. Alle anderen Charaktere sind kaum wahrzunehmen und bleiben – egal welche Relevanz sie für Jephron haben – sehr im Hintergrund. Ob das nun schlecht ist oder nicht, kann ich objektiv gar nicht beurteilen. Ich hätte es jedoch ganz persönlich schön gefunden, wenn zumindest die wichtigeren Charaktere und auch die beiden Schwestern etwas lebendiger gestaltet werden. Und Jephron, der einzige Charakter, bei dem man von ausgearbeitet reden kann, wäre mir etwas blasser lieber gewesen. Er ist schwarz. Obwohl ich für mehr Diversity bin, verstehe ich immer noch nicht, weshalb man als weißer deutscher Mann unbedingt meint, aus der Sicht eines Schwarzen schreiben zu müssen. Darüber hinaus werden auch noch Themen wie Unterdrückung angesprochen. Ein gut gemeinter Rat: Überlasst das bitte Betroffenen.

Gegen einen schwarzen Nebencharakter hätte ich nichts einzuwenden gehabt. Aber bitte keine philosophischen Gedanken über Rassismus und Co. aus der Sicht eines Weißen. Das hielt sich jedoch sehr in Grenzen. Was sich nicht in Grenzen hielt, war sexistisches Denken und das wiederholte Ansprechen auf „typisch männliche Gedanken“. Es gibt Erotikromane und Pornos. Die lese ich, wenn ich sowas lesen wollte. Aber in einem SciFi-Roman hat das nichts zu suchen. Noch dazu empfindet Jephron während der Handlung etwas für die beiden Schwestern. Das macht sich zwar nur in körperlich-sexueller Hinsicht bemerkbar, wenn man bedenkt, dass die Schwestern ca. 18 und 23 Jahre jünger als Jephron sind, gerade mal aus dem Kinderalter heraus sind und eine von ihnen dann tatsächlich eine sexuelle Beziehung mit ihm eingeht (Und hier wieder: Wofür ist das nötig?) finde ich das neben dem ganzen Sexismus, der da ständig mitschwingt, auch absolut nicht ok.

Spoilerteil: Wieso die Geschichte selbst Problematisch ist

Kommen wir nun jedoch zurück zu dem Aspekt, der Spoiler benötigt: Zur Geschichte selbst. Im folgenden Abschnitt gehe ich etwas näher darauf ein, weshalb ich das Buch in dieser Hinsicht nicht lesenswert finde. Dieser ist aktuell als Spoiler gekennzeichnet. Wenn ihr ihn lesen wollt, sollte euch bewusst sein, dass dort der weitere Verlauf der Handlung gespoilert wird.

SPOILER
Oben habe ich Dungeon Planet bereits mit Büchern, wie Arena, Die Tribute von Panem oder Warcross verglichen. Büchern, in denen Kritik an dem System geübt wird, dass ein bestimmte Art des Spiels vorschreibt und die Teilnehmer oder andere Gruppen in gewisser Weise missbraucht. Völlig selbstverständlich habe ich das auch von Dungeon Planet angenommen. Hier werden jedes Jahr 50 Spieler*innen in ein unterirdisches Tunnelsystem geschickt, in dem sie Schätze erbeuten müssen und dabei gegen „Monster“ kämpfen müssen. Das ganze geschieht, beispielsweise wie in Arena auch, auf freiwilliger Basis, dennoch ist der Kommerz deutlich sichtbar und Jephrone beispielsweise, der bereits einmal im Dungeon war, muss erst überredet werden, ein zweites Mal hineinzugehen. IWieso mir Dungeon Planet nicht gefallen hat | Rezensionn der einen oder anderen Szene kann man sogar eine PTBS erkennen. Kein Hexenwerk also, sich vorzustellen, dass Jephrone rebellieren könnte.

In der ersten Hälfte des Buches, geht er mit der älteren Schwester ins Dungeon, die dort durch eine ausgelöste Falle stirbt. Der zweite Teil der Handlung spielt 5 Jahre später. Dort geht er dann mit der zweiten Schwester ins Dungeon. Der Grund, weshalb die beiden Schwester dort hineinwollen erschließt sich mir immer noch nicht, verwunderlich finde ich aber, dass auch nach dem Tod von Bjanje niemand einen Gedanken daran verschwendet, in irgendeiner Form gegen diese Show zu rebellieren. Das Buch hat also keinen anderen Sinn, als schlichtweg den Leser auf unterstem Niveau zu unterhalten. Zumindest dann, wenn man flache und wenig spannende Handlungsstränge und sexistische Gedanken cool findet.

Die fehlende Tiefe zeigt sich für mich auch im Umgang mit den sogenannten Monstern dieses Dungeons. Das sind Tiere unterschiedlicher Planeten, die in den Räumen des Dungeons so lange gefangen gehalten werden, bis einer der Teilnehmer*innen die Tür öffnet um an den Schatz zu gelangen. Die Beschreibung von stinkenden Räumen, da das Tier dort seit mehreren Tagen gefangen gehalten wird, kommt im Buch mehr als einmal vor. Bin ich nur zu empathisch oder bricht der Gedanke, dass Lebewesen dort auf engstem Raum gehalten werden auch euer Herz? Diese Tiere werden getötet, ohne dass seitens der Charaktere nur einmal die Frage aufkommt, ob man hier tatsächlich von „bösen Monstern“ sprechen kann?

Ich verstehe es nicht, ich verstehe nicht, wie ein Buch so flach sein kann, obwohl es so viele wichtige Themen anspricht. Ich verstehe nicht, wie es sein kann, dass, trotz so vieler toller Autor*innen da draußen, ein Buch wie dieses einen der wenigen Plätze in einem Verlagsprogramm bekommen kann. Dungeon Planet hat, so leid es mir auch tut, wieder einmal gezeigt, dass wir auch in der Fantasy- und SciFi-Literatur verdammt noch einmal umdenken sollten und diverser werden müssen, hinterfragen müssen, kritisch sein müssen!

Dungeon Planet hat mich leider sehr enttäuscht. Neben flachen oder fragwürdigen Charakteren bot die Geschichte neben einfacher Unterhaltung, die zudem für mich nicht mal wirklich erkennbar war, keinen Mehrwert und ist darüber hinaus auch sehr problematisch zu sehen. Ich kann euch diesen Roman leider nicht ans Herz legen. Falls euch aber Gaming-Geschichten gefallen, findet ihr in Arena und Warcross eine geniale Alternative.

Weitere Rezensenten:

bisher keine

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Dieser Beitrag wurde durch die Bereitstellung des Rezensionsexemplars gesponsert.
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2 Comments

  1. Nenatie 17. Februar 2019

    Hallo Jule,
    eine sehr ausführliche Kritik! Sehr gut geschrieben. Und das Buch klang wirklich gut aber soviele problematische Inhalte muss ich dann doch nicht unterstützen. Ich werde es wohl erstmal nicht kaufen und statt dessen etwas anderes lesen.

    LG

    Antworten
    1. MissFoxy 17. Februar 2019

      Liebe Nenatie,

      danke für deinen Kommentar! So ging es mir auch! Ich habe besonders verglichen mit Büchern, die sehr kritisch an die Thematik herangehen auch einfach mehr erhofft.

      Liebe Grüße
      Jule

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