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Werbung: Bei diesen Büchern handelt es sich um Rezensionsexemplare.

Weibliche Protagonistinnen sind keine Seltenheit. Sie dominieren schon länger die Kinder- und Jugendliteratur und sind auch in „klassisch männlichen Genres“, wie der Fantasy längst nicht mehr wegzudenken. Weibliche Protagonistin bedeutet aber noch lange nicht, dass unsere Heldin stark, selbstbewusst und unabhängig ist, was Charaktere wie Bella Swan beweisen. In den letzten Wochen habe ich in vier Büchern starke weibliche Persönlichkeiten gefunden, die besser nicht sein könnten, denn sie vereinen die oben genannten Attribute und zeigen darüber hinaus, dass es nicht immer leicht ist eine Frau zu sein! Sie machen Fehler, sie scheitern, aber sie stehen auf und sind stärker als zuvor. Das ist wohl mit ein Grund, weshalb mir die Bücher so prägnant im Gedächtnis geblieben sind und weshalb ich sie euch heute vorstellen möchte.

Spinster Girls: Was ist schon normal? – Holly Bourne

Spinster Girls: Was ist schon normal? | von Holly Bourne | Verlag: dtv | erschienen am 20.07.2018 | Übersetzer: Nina Frey | Taschenbuch | 416 Seiten | 10.95€ (D) Weitere Informationen*

Evie, Amber und Lottie haben es satt, sich ständig dafür rechtfertigen zu müssen, wie sie sind und was ihnen gefällt. Sie gründen einen Club, die Spinster Girls, um sich dort über Rollenzwänge und Genderfragen auszutauschen. Mehr als einmal rutschen dann aber auch Jungs mit in die Gespräche, und sie und ihre Handlungen werden nicht immer unbedingt hinterfragt. Doch so sehr sich Evie, die Protagonistin des ersten Bandes, auch in diesem Jungschaos verstrickt, sie wird von ihren Freundinnen und auch von sich selbst immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt und das fand ich einfach klasse. Die drei Mädchen bilden eine so starke Einheit gegen den Rest der Welt, dass man sich in ihrer Mitte sofort aufgehoben und verstanden fühlt. Auch wenn man als Leser ja etwas abseits des Geschehens ist. Zudem kämpft speziell Evie auch mit ihren Angststörungen, die sie von den anderen zu verheimlichen versucht.

Die drei Mädchen stecken voller kluger und feministischer Gedanken, die sie auf fast jeder Seite des Buches zum Ausdruck bringen. Sie zeigen, dass es in Ordnung ist Fehler zu machen, solange wir diese eingestehen und an unseren Idealen festhalten. Sie zeigen uns, dass es wichtig ist, für mehr Gerechtigkeit zu kämpfen und dass das manchmal echt schwer sein kann. Aber es lohnt sich weiterzumachen. Die Spinster Girls-Reihe empfehle ich allen von euch. Egal ob ihr schon ein Spinster Girl seit oder eins werden wollt. Seid stark, seid laut, es lohnt sich!

Reiheninformation

Was ist schon normal? | Was ist schon typisch Mädchen? | Was ist schon Liebe?

Weitere Rezensent*innen

Kielfeder | Stehlblüten | Letterheart

Vox von Christina Dalcher

Vox | von Christina Dalcher | Verlag: Fischer | erschienen am 15.08.2018 | Übersetzer: Susanne Aeckerle und Marion Balkenhol | Hardcover | 400 Seiten | 20.00€ (D) Weitere Informationen*

Stell dir vor, du darfst nicht mehr als 100 Wörter pro Tag sprechen. Schreiben und lesen ist dir verboten. Du hast immer gerne gelesen und selbst wenn nicht, Kommunikation über soziale Netzwerke, über Mails, per Telefon. privat mit deiner Familie ist elementar und gehört mehr zu deinem täglichen Leben, als du es dir überhaupt vorstellen kannst. So geht es Jean und allen amerikanischen Frauen und seitdem quält sie die Frage: Hätte ich es verhindern können, wenn ich nur früher meine Stimme erhoben hätte? Doch es wird noch schlimmer. Jean kleine Tochter ist in diese Zeit hineingeboren und durfte von klein auf nichts sprechen, nicht schreiben, nicht lesen. Normale Sprachentwicklung? Fehlanzeige. Und das macht Jean so viel Angst (und das völlig zurecht), dass sie anfängt zu handeln und zu protestieren.

Vox ist eine erschreckende Dystopie, die leider nicht weit genug in der Zukunft liegt. Leider, sage ich, doch das ist genau das, was mich an dem Buch so bewegt hat: Es könnte vom heutigen Standpunkt aus viel zu leicht passieren. Das merkt auch Jean, denn die Geschichte setzt an mehreren Stellen in unserer Gegenwart an und Jean merkt, dass dieses Vergangenheits-Ich von ihr viel zu wenig getan hat. Diesen Fehler versucht sie in ihrer Gegenwart mit aller Gewalt wieder gut zu machen, riskiert damit ihr Leben und das Leben ihrer Familie und das alles bleibt so verdammt real, dass es mir wieder und wieder Angst gemacht hat. Unserer Gesellschaft wird von Christina Dalcher gnadenlos ein Spiegel vorgehalten. Vox zeigt uns, was passiert, wenn wir nicht handeln und dass unsere Fehler in der Zukunft nicht leicht ausbügelbar sind.

Auch wenn Vox gegen Ende ein wenig zu schnell voranschreitet, bleibt mir Jean und ihre Entwicklung nicht nur sehr gut im Gedächtnis, sie zeigt Jean auch als eine durch und durch starke Frau, die sich für das Wohl ihrer Familie, ihrer Mitmenschen, aller Frauen einsetzt. Auch wenn euch dieses Buch vermutlich sehr wütend machen wird: Lest es. (Mit dieser doch sehr kurzen Meinung habe ich das Wörterlimit, das den Frauen in Jeans Welt aufgesetzt ist übrigens mit 323 Wörtern um mehr als das 3-fache überschritten.)

Weitere Rezensent*innen

Ink of Books | Stehlblüten | Chaoskingdom

Real Life Sucks von Allison Raskin und Gaby Dunn

Real Life Sucks | von Allison Raskin und Gaby Dunn | Verlag: Fischer | erschienen am 23.05.2018 | Übersetzer: Nadine Mannchen | Softcover | 384 Seiten | 12.00€ (D) Weitere Informationen*

Ich habe hinter Real Life Sucks einen lockeren und leichten Mädchenroman vermutet, hatte sogar etwas Angst, dass er vielleicht zu trivial werden könnte. Es ist ein Chat Roman. Zwei beste Freundinnen gehen auf Colleges, die an unterschiedlichen Enden Amerikas liegen. Die eher zurückhaltende Ava kann mit dem Umstand nicht sehr gut umgehen. Anders als die selbstbewusste Gen. Nach und nach stellt sich aber so viel mehr heraus: Avas Reaktion mag zwar übertrieben erscheinen, allerdings leidet sie an Angststörungen, was ihr Verhalten nicht besser erklären könnte. Im Zuge der Handlung versucht sie damit umzugehen und wächst mit ihren Aufgaben. Gen mag zwar auf den ersten Blick sehr unabhängig erscheinen, doch recht schnell erfahren wir auch von ihr, dass sie etwas beschäftigt: Ihre Sexualität. So wurde aus einem Buch, das ich erst als sehr trivial vermutet habe, eine unglaublich tiefe Geschichte, die nicht nur thematisch toll ist sondern auch mit viel Humor erzählt wird.

Ich habe es geliebt, die Wandlung der beiden Mädchen mitzuerleben, ihr Wachen an sich selbst und überhaupt die Probleme, die sie auch bezüglich iher Freundschaft bewältigen müssen zu verfolgen. Allison Raskin und Gaby Dunn haben hier ein unglaublich kluges Buch geschrieben und man kauft es ihnen von vorne bis hinten voll und ganz ab. Real Life Sucks mag zwar äußerlich nicht so erscheinen, es steckt jedoch voller feministischer Gedanken und diversen Themen und ich bin der Meinung, dieses Buch ist völlig zu unrecht völlig underrated.

Weitere Rezensent*innen

Nickis Bücherwelt

Du wolltest es doch von Louise O’Neill

Du wolltest es doch | von Louise O’Neill | Verlag: Carlsen | erschienen am 25.07.2018 | Übersetzer: Katarina Ganslandt | Hardcover | 368 Seiten | 18.00€ (D) Weitere Informationen*

Emma ist hübsch, beliebt und von den Jungs ihrer Schule umschwärmt. Und das alles weiß sie auch. Ein Grund, weshalb ich Emma zu Beginn nicht mochte. Ich glaube, niemand, der das Buch gelesen hat, hat sie gemocht. Doch obwohl sie mir anfangs so unsympathisch war und sie während der Handlung beinahe ständig scheitert, ist sie eine unheimlich starke Frau. Auf einer Party wird Emma vergewaltigt. Und nicht nur das: Das Sexvideo landet im Netz. Infolgedessen eilt Emmas Ruf ihr voraus: Niemand glaubt ihr, dass sie vergewaltigt wurde, jeder sieht in ihr eine Schlampe und die gesamte Stadt steht hinter den Vergewaltigern. Emma stürzt in ein tiefes Loch und obwohl mich die Handlung des Buches zurecht immer und immer wieder wütend gemacht hat, konnte ich nicht anders, als Emma für ihre Stärke bewundern, die sie trotz allem aufbringt. Sie verklagt ihre Vergewaltiger, versucht ihr Leben in den Griff zu bekommen und den Kontakt zu ihren Freunden nicht zu verlieren.

Egal wie oft sie dabei scheitert, Emma steht immer wieder auf, kämpft weiter und verdeutlicht dabei nur, welchen Themen sich Mädchen und Frauen – auch abseits Irland – so häufig stellen müssen. Sie zeigt, wie wichtig es ist, immer wieder aufzustehen und weiter zu machen. Aber auch, dass es okay ist, wenn man aufgeben muss oder die Kraft verliert. Ich möchte, dass ihr alle dieses Buch lest. Auch wenn es weh tut.

Weitere Rezensent*innen

Stehlblüten (Gastrezension) | Crow and Kraken | Blue Siren

Der Beitrag wurde durch die Bereitstellung des kostenlosen Rezensionsexemplares gesponsert.

Bildrechte: Julia Lotz (Miss Foxy Reads)

Die Rechte an den Covern unterliegen dem jeweiligen Verlag & Designer.

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4 Comments

  1. Wiebi 1. Februar 2019

    Guten Morgen!

    Ein wirklich toller Beitrag, meine Liebe! 🙂
    Ich kenn tatsächlich keines der Bücher, obwohl sie alle super interessant klingen. Starke Protagonistinnen sind etwas Tolles!
    ‚Vox‘ steht allerdings aufgrund Anabelles Rezension im Regal und ist Teil meiner 19 für 19. Ich hoffe also stark, dass ich es in naher Zukunft lesen werde.
    ‚Spinster Girls‘ finde ich auch sehr interessant. Vielleicht zieht das auch irgendwann mal ein. 🙂

    Liebste Grüße,
    Wiebi

    Antworten
  2. Sandy 1. Februar 2019

    Ein super Beitrag, liebe Jule! Die Spinster Girls hoffe ich, auch irgendwann lesen zu können 🙂 Vox war allerdings leider überhaupt nicht mein Fall. Das Konzept war wirklich spannend, aber ich fand Jeanie so unglaublich unsympathisch und den Plot so zäh, dass ich das Hörbuch nach der Hälfte (und ein paar Skips nach vorn) aufgegeben habe. Aber das ist ja manchmal so! Real Life Sucks klingt richtig knuffig 😀 Alles in allem eine tolle Auswahl an Büchern!
    Alles Liebe, Sandy

    Antworten
  3. Jill von Letterheart 4. Februar 2019

    Liebe jule,

    eine wirklich coole Zusammenstellung!
    Bisher gelesen habe ich nur Spinster Girls, was mich ja leider nicht ganz so begeistern konnte… Dafür freue ich mich gleich umso mehr auf die anderen Geschichten!

    Liebste Grüße
    Jill

    Antworten
  4. Ivy 6. Februar 2019

    Liebe Jule,

    ein wirklich toller Beitrag. „Was ist schon normal“ liegt noch auf meinem SUB und ich freue mich sehr drauf, es zu lesen. „Vox“ interessiert mich ebenfalls, auch wenn ich mir noch nicht so wirklich vorstellen kann, dass es mich vom Hocker hauen wird – ich bin so hin und her gerissen, aber genau deshalb möchte ich es auch unbedingt lesen.

    Liebste Grüße
    Ivy

    Antworten

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