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Filmkritik | Wieso mir Black Panther nicht gefallen hat

MissFoxy 27. Februar 2018

Achtung: Falls ihr Black Panther noch nicht gesehen habt, werdet ihr ab dem ersten Unterkapitel gespoilert.

Gestern habe ich endlich Black Panther im Kino gesehen. Nach Thor: Tag der Entscheidung endlich wieder ein Film aus dem Marvel Cinematic Universe. Ich habe mich enorm auf diesen Film gefreut. Zum einen, weil ich T’Challa in Civil War schon sehr spannend fand, zum anderen, weil ich mich sehr darauf gefreut habe, dass der Film die afrikanische Kultur stärker in den Fokus rückt. Letztendlich hat mich Black Panther aber sehr enttäuscht. Warum? Das erfahrt ihr jetzt.

Einbindung ins Cinematic Universe

Ein Grund, weshalb die Marvel Filme für mich immer Kino-Highlights sind, das ist die Einbindung in dieses gigantische Universum, in dem alle Filme irgendwie zusammen hängen. T’Challa haben wir bereits in Civil War kennengelernt und da er auch in Infinity War wieder mit dabei ist, war klar, dass wir ihn und ganz Wakanda so ein wenig besser kennenlernen wollen und müssen.

Chadwick Boseman als Black Panther © Disney – Black Panther (2018)

Die Geschichte war durchaus nicht schlecht, hat einige interessante Ansätze geboten, die zum Nachdenken anregen konnten und war zudem actionreich. Der gesamte afrofuturistische Ansatz gefiel mir auch sehr gut und genau so etwas wünsche ich mir deutlich mehr in den Kinos. Nein, ich kann nicht sagen, dass ich mich nicht unterhalten gefühlt habe und dennoch fehlte mir etwas.

Der Trailer zu Infinity War ist bereits öffentlich und in ihm sehen wir T’Challa, Captain America, Bucky Barnes, Hulk und Black Widow zusammen in Wakanda. Ich habe fest damit gerechnet, dass einer der drei Charaktere bereits in irgendeiner Form in Wakanda auftaucht und so direkt mehr Verknüpfungsmöglichkeiten mit dem Cinematic Universe (MCU) bietet. Darauf haben wir jedoch vergeblich gewartet, wenn man von dem Cameo Auftritt von Bucky Barnes ganz am Ende des Films absieht, der leider auch wenig aufschlussreich war.

Für mich passt Black Panther so leider eher in Phase 1 der Geschichte, obwohl der Film ja zeitlich tatsächlich nach dem Civil War spielt. Filme, wie Thor: Tag der Entschiedung oder Spiderman: Homecoming haben ja bereits gezeigt, dass eine Einbindung in das MCU auch bei relativ eigenständigen Filmen funktioniert. Wieso wurde bei Black Panther genau auf diesen Aspekt verzichtet?

Starke Frauenbilder und feministische Ansätze

Ich habe mir im Vorhinein bereits vorsichtig Kritiken zum Film durchgelesen, in denen die zahlreichen stärkeren Frauencharaktere gelobt wurden, die auch alle einen eigenen Plot und eigene Ziele haben. Ich habe mich sehr gefreut, als diese Charaktere nach und nach in den Film eingebunden und vorgestellt wurden:

  • Nakia ist die Ex-Freundin T’Challas, der sie kurz vor seiner Krönung bittet, nach Wakanda zurückzukommen. Nakia selbst arbeitet aktuell als Spionin überall in der Welt, in der Schwarze ihre Hilfe brauchen.
  • General Okoye berät T’Challa in allen strategischen Fragen und ist so ein hoch angesehenes Mitglied des Regierungsstabs. Zudem ist sie die Anführerin der Dora Milaje, eine Gruppe Elitekämpferinnen, die den König beschützen.
  • Königinmutter Ramonda mag nicht der stärkste und feministischste Charakter des Films sein, sie besitzt jedoch eine ganze Menge Stärke und Verantwortung. In einigen afrikanischen Kulturen hat die Königinmutter eine besonders hohe Rolle inne, was ich auch in Wakanda erahnt habe.
  • Prinzessin Shuri ist die kleine Schwester von T’Challa, die nicht nur eine richtig große Klappe hat, sondern auch für technische Innovationen im fortschrittlichen Wakanda zuständig ist. Für mich übrigens mein absoluter Lieblingscharakter!

Prinzessin Shuri © Disney – Black Panther (2018)

Was auf den ersten Blick sehr nach Frauenpower und tollen Storylines aussieht, kann aber nur oberflächlich überzeugen. Obwohl alle Frauen mehr oder weniger durchaus Charakter haben, hängt ihre Storyline einzig mit T’Challa zusammen. Auch ihre Gespräche untereinander sind nur durch ihn motiviert (Vergleich: Bechdel- und Mako Mori-Test). Einzig ein Gespräch zwischen Nakia und Okoye dreht sich um Shuri und die Königinmutter. In einem über 2 Stunden dauernden Film ist das für mich zu wenig, um über Feminismus zu sprechen. Für mich schafft es Black Panther so leider auch nicht, aus feministischer Perspektive herauszustechen.

Afrika aus westlicher Perspektive

Bevor ich mit diesem Abschnitt anfange, möchte ich erwähnen, dass ich mich in meinem Geografie Nebenfach-Studium auf afrikanische und orientalische Kulturen spezialisiert habe. Die Punkte, die mir beim Betrachten des Films aufgefallen sind, kann man ohne entsprechendes Hintergrundwissen vermutlich nicht erkennen. Auch kenne ich keine Meinung afrikanischer Völker zum Film, was ganz klar von Meinungen Schwarzer zu unterschieden ist, die keinen kulturellen Bezug zu Afrika haben.

Durch mein Nebenfach-Studium habe ich mich besonders auf die ganzen anthropologischen Aspekte des Films gefreut und war gespannt, welcher Kultur sich die Filmmacher bedienen. Es gibt nicht DIE afrikanische Kultur ebenso wie es nicht DIE europäische oder DIE asiatische Kultur gibt. Vielmehr ist Afrika geprägt von einer Vielzahl von Völkern, Lebensweisen, kulturellen Ausprägungen, Religionen und Sprachen. Genau das wurde in Black Panther nicht beherzigt. Vielmehr wurde sich einer Vielzahl von Klischees bedient, die man im Bezug auf „DIE afrikanische Kultur“ hat. Im folgenden möchte ich euch einige Punkte sehr kurz und knapp vorstellen, da eine vollständige Betrachtung den Rahmen sprengen würde. Auf Wunsch komme ich aber gerne noch einmal in neuen Beiträgen darauf zurück.

Verortung Wakandas und Architektur

Nach einen Filmausschnitt, in dem in das afrikanische Kontinent rein gezoomt wird, befindet sich Wakanda da, wo Kenia liegt. Nach außen hin gibt sich Wakanda als arm und wir sehen kleine, rund gebaute Lehmhütten. Die Stadt selbst ist gut versteckt und beeindruckt mit einer typisch afrikanischen Architektur, die leider weder nach Kenia noch nach Zentralafrika im Allgemeinen passt. Vielmehr bedient man sich hier dem Klischee afrikanische Architektur und wählt für die größeren Gebäude klassische Sahel-Architektur. Die allerdings zum einen nur in Westafrika verortet wird, zum anderen auch meist nur für Moscheen in der seit vielen Jahrtausenden islamisch geprägten Region verwendet wird.

Wakanda © Disney – Black Panther (2018)

Völker Afrikas

T’Challas Volk kann eindeutig der Bantu-Bevölkerung zugeordnet werden. Die recht große Gruppe kann zwar noch stark unterteilt werden, für den Film reicht das aber allemal. Als die verschiedenen Stämme im Zuge T’Challas Ernennung zum König zusammentrafen sind da natürlich auch Völker dabei, die man eindeutig den Bantu zuordnen konnte. Was mich sehr verwundert hat jedoch zum einen der eher ostafrikanisch-angehauchte Stamm zu Beginn, der mehr an die Haussa und Fulbe erinnerte. Das passte wiederum auch nicht zu dem eigentlich gewählten Setting.

Aber auch der Jabari Clan gab mir einige Rätsel auf. Äußerlich sind sie ganz klar Bantu, allerdings ist das ein Gebirgsstamm, der in einem Gebirge lebt, das in irgendeiner Form fußläufig aus Kenia erreichbar sein muss. Besonders wenn man beachtet, dass die Königinmutter dorthin aufbricht und die Jabari innerhalb eines Tages erreicht. Zudem ist mir kein Gebirgsvolk Afrikas bekannt und die umliegenden Schwellen in Zentralafrika erreichen die Schneegrenze nicht. Andere durchaus für Afrika wichtige Gruppen, wie unter anderem die Völker der Khoisan, nehmen keinen Platz im Film ein. Das fand ich wiederum sehr schade, da sie insbesondere die indigene Bevölkerung repräsentiert hätten.

Bastet als Göttin

Bastet wird nicht nur in Wakanda verehrt, sie ist eine altägyptische Göttin, die meist in Katzenform dargestellt wird. Ich frage mich nicht nur, wie sie es bis nach Zentralafrika geschafft hat. Ägypten selbst gehört darüber hinaus auch nur physisch-geografisch zu Afrika. Kulturell ordnet man das Land dem orientalischen Kulturkreis zu. Ferner ist in vielen afrikanischen Kulturen der Totemglaube sehr präsent und Tier-Sagen sind auch keine Seltenheit. Weshalb man hier eine ägyptische Göttin benutzt, bleibt mir so ein Rätsel. Zurückzuführen ist dieser Punkt jedoch nicht auf die Filmmacher, sondern auf die langjährige Comicgeschichte des Black Panthers.

Mein Fazit

Thematik
9
Umsetzung
3
Charaktere
7
Story
5

Summary

Obwohl ich mich im Vorfeld sehr auf Black Panther gefreut habe, kann ich jetzt mit Sicherheit behaupten, dass der Film nicht zu meinen liebsten Marvel Filmen gehört. Die Story war zwar in Ordnung, die Effekte und Kampfszenen leider eher schlecht. Insgesamt fehlte mir die Einbindung ins MCU und obwohl einige starke Frauen eingeführt wurden, bleiben ihre Storylines jedoch nur oberflächlich betrachtet feministisch. Besonders enttäuscht war ich jedoch von der Darstellung der afrikanischen Kultur. Obwohl ich die Absicht dahinter sowie den Aspekt des Afrofuturismus sehr wichtig finde, mangelt es an der richtigen Umsetzung. Diese ist voller Klischees und wird nur aus eurozentrischer bzw. westlicher Perspektive umgesetzt, was man durch das hinzuziehen eines Anthropologen sicher leicht hätte beheben können. 

Total Rating

6.0
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9 Comments

  1. Michael Kleu 27. Februar 2018

    Ich habe Deine Rezension nur halb gelesen, um nicht gespoilert zu werden 😉

    Aufgrund der Kritikpunkte könnte jedenfalls der folgende Text interessant für Dich sein:

    https://classicalstudies.org/scs-blog/rankine/blog-mythic-truth-black-panther

    Antworten
    1. MissFoxy 27. Februar 2018

      Richtig so! Ich wünsche dir aber schon mal viel Spaß mit dem Film! Und danke für den tollen Artikel. Der ist ja mal ultra spannend!

      Liebst,
      Jule

  2. Philip 28. Februar 2018

    Hallo liebe Jule,
    vielen vielen Dank für deine sehr ausführliche, detaillierte und gut recherchierte Sicht auf den Film Black Panther. Mir hat der Film ja ganz okay gefallen, den Afrofuturismus finde ich sehr sehr spannend und einige der Charaktere konnten mich auch überzeugen, vor allem Shuri und Nakia fand ich genial und für mich die eigentlichen Stars des Films.
    Leider hatte der Film für mich aber zu viele unnötige Szenen und Effekte (ich sage nur auf Nashörnern reiten -.-), der MCU Bezug hat mir gefehlt und die Komplexität der Geschichte ließ zu Wünschen übrig. Ein passabler Film, welcher sich aber hinter etliche andere Marvel Filme aus dem MCU anstellen muss.
    Als Stand-Alone in Phase 1 hätte ich den Film denke ich deutlich weniger kritisch betrachtet, auch wenn mir die vielen Easter-Eggs, auf die ich später aufmerksam gemacht worden bin, gut gefallen haben und ich mittlerweile doch etwas positiver auf den Film blicke als noch am Anfang direkt nach dem Film.
    Naja, freuen wir uns einfach auf Infinity War und mal sehen, welche Rolle Wakanda dort spielen wird und ob ich die Bedeutung dann doch noch anders interpretiere. Die Fokussierung auf Afrika und die schwarze Bevölkerung fand ich aber sehr sehr wichtig und gut inszeniert in Black Panther, auch wenn die afrikanische Darstellung, wie du es geschildert hast, fehlerhaft gewesen ist.

    Liebe Grüße
    Philip

    Antworten
    1. MissFoxy 4. März 2018

      Lieber Philip,

      wie schön, dass du mittlerweile ein wenig positiver auf den Film schaust. Ich war nach dem Film auch deutlich enttäuschter als jetzt, wobei eine 6.0 von 10 ja auch gar nicht schlecht ist.

      Shuri ist auch mein absoluter Liebling. Sie ist einfach klasse ♥ Freue mich schon sehr darauf, wenn sie auf die anderen MCU Charaktere trifft.

      Auf Infinity War freue ich mich auch schon. Das wird sicher episch 🙂

      Liebst,
      Jule

  3. Sari | Federmaedchen 29. März 2018

    Hallo Jule,
    ich habe ehrlich gesagt Black Panther noch nicht gesehen, hatte aber irgendwie von Beginn an Bauchschmerzen, was die Umsetzung angeht. Es ist sehr interessant zu lesen, wie viele Ungereimtheiten es doch anscheinend in dem Film gibt und das finde ich sehr schade – dadurch geht ja irgendwie die Autentizität flöten. Ich meine okay, es ist Marvel, aber das heißt ja nicht, dass man plötzlich viele Dinge einfach außer Acht oder über Bord werden muss. Ich habe da gerade etwas von „auf Nashörnern reiten“ gelesen – man kann es dann auch übertreiben.
    Ich bin immer noch hin und her gerissen.. der Vollständigkeithalber werde ich ihn mir vermutlich anschauen! 🙂

    Liebe Grüße
    Sari

    Antworten
    1. MissFoxy 31. März 2018

      Liebe Sari,

      mir ist das ganze Thema natürlich enorm aufgefallen, da ich mich in meinem Studium eben mit genau diesen Themen und Kulturen beschäftige. Und da Sprache, Handlungsort, Architektur im Film ja nicht handlungstragend sind, hätte ich es sehr schön gefunden, wenn man auf diese Details geachtet hätte. Ich finde das geht indirekt gegen die afrikanischen Kulturen. Ich selbst fände es auch nicht so toll, wenn in einem Amerikanischen Film über ein Land in Europa plötzlich Klischees vieler europäischen Länder auftauchen würden. Abgesehen davon ist der Film jedoch nicht schlecht und besonders die weiblichen Charaktere fand ich eigentlich sehr gut. Ich wünsche dir viel Spaß beim Ansehen.

      Liebst,
      Jule

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