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[Rezension] Das Licht der letzten Tage – Emily St. John Mandel

MissFoxy 23. November 2015


Titel: Das Licht der letzten Tage
Autor: Emily St. John Mandel
Verlag: Piper
Erscheinungsdatum: 14.09.2015
Übersetzer: Wibke Kuhn
Format: Klappenbroschur
Seiten: 416
Preis:  14.99€ (D) Kaufen?

Reihe: keine

Hoffnungsvoll düster, schrecklich zart und tragisch schön.

Niemand konnte ahnen, wie zerbrechlich unsere Welt ist. Ein
Wimpernschlag, und sie ging unter. Doch selbst jetzt, während das Licht der
letzten Tagelangsam schwindet, geben die Überlebenden nicht auf. Sie haben
nicht vergessen, wie wunderschön die Welt war, und sie weigern sich zu
akzeptieren, dass alles für immer verloren sein soll. Denn selbst das
schwächste Licht erhellt die Dunkelheit. Immer. (Quelle: Klappentext)

Das Licht der letzten Tage, auf Englisch Station 11, wurde
mir von Kücki wärmstens empfohlen. Mit dem Hinweis, dass das Buch bald auf
Deutsch erscheint. Mir egal dachte ich und wollte mir das Buch erst auf
Englisch zulegen. Bis ich gesehen habe, dass ich nur ein bisschen warten muss
und ich dann das atemberaubende deutsche Cover aus dem Piper Verlag in den
Händen halten könnte, in das ich mich sofort verliebt habe.
Angefangen mit dem Lesen kam ich allerdings gar nicht gut in
die Geschichte hinein und habe das Buch nach ca. 150 Seiten erst einmal
pausiert. Nicht weil das Buch nicht spannend war, nein, ich wollte unbedingt
herausfinden, was die Schicksale der einzelnen Charaktere ist und was auf ihnen
und unserer Welt geworden ist. Ich kam einfach nur nicht mit der Struktur der
Geschichte zurecht, die scheinbar planlos von der einen zur anderen Perspektive
springt und mich einfach keinen roten Faden erkennen ließ. Schließlich habe ich
dann eines Tages das Buch mit in die Uni genommen und während der Zug- und
Busfahrt blieb mir gar nichts anderes übrig, als zu lesen. Und dann kam irgendwann,
aber leider doch recht spät, der Punkt, an dem man plötzlich erkannt hat, dass
es da doch einen ganz leichten roten Faden gibt, der sich durch das Buch
schlängelt und immer wieder an einer Person hängen bleibt: Arthur. Mit diesem
Fixpunkt fiel mir das Lesen plötzlich leichter und ich konnte mich mehr auf die
Geschichte einlassen und mich für sie begeistern.
Der Schreibstil Emily St. John Mandel hat mich besonders
begeistert. Er sticht nicht durch besonders komplizierte und lange Sätze
hervor. Dennoch würde ich ihn nicht als kurz und schlicht bezeichnen. Er hat
etwas Poetisches und, man kann es nicht anders sagen, meisterliches und strahlt
so eine ganz andere Art von Anspruch aus, der mich sehr fasziniert hat. Er hat
das Buch nicht immer nur ein Buch sein lassen und die Geschichte nicht immer
nur eine Geschichte. Er hat ein Mehr gezaubert und aus diesem Roman ein kleines
Kunstwerk gezaubert. Dieses Kunstwerk schafft es sogar, die wirklich etwas
düstere und zeitweise auch bedrückende Handlung in einem Licht erstrahlen zu
lassen, das die ganze Schwere wegnimmt und sie gut lesbar und den Leser nicht
allzu traurig macht.
Ich würde Das Licht der letzten Tage gerne als einen Sci-Fi
und einen Endzeitroman beschreiben und teilweise trifft diese Bezeichnung auch
zu. Dennoch spielt das Buch nicht nur in der Zukunft, in der Zeit nach der
Georgischen Grippe, die fast die ganze Menschheit ausgerottet hat und die
Zivilisation hat zusammenstürzen lassen. Es zeigt uns die Vergangenheit
einzelner Charaktere und solcher, die längst gestorben sind. Es zeigt uns eine
Vergangenheit einige Tage vor dem Ausbruch des Virus und eine, die weiter
entfernt liegt und führt uns dennoch immer wieder zurück in die Zukunft. Und
nicht nur dorthin. Auch ein Comic-Buch, ein Theaterstück, Briefe und ein
Interview sind für die Geschichte wichtig und nehmen ihren individuellen Platz
darin ein. So entstehen viele Episoden und Passagen, die für mich am Anfang
nicht recht zusammenpassen sollen und doch am Ende funktioniert haben.
Allerdings mit einem schweren Start.
Auch die enorme Anzahl der Charaktere und auch der
Erzählperspektiven haben es mir nicht immer leicht gemacht, gut durchs Buch zu
kommen. Bis zum Schluss wusste ich von einigen nicht, wer sie genau sind und
woher sie kommen. Viele sind zu undurchsichtig und nur die, die wirklich zu
Wort kommen haben ein genaueres Bild vor meinen Augen entstehen lassen.
Darunter viele Charaktere, die ich sofort geliebt habe aber auch andere, die
mir weniger sympathisch waren.

Letztendlich sehe ich Das Licht der letzten Tage als ein
kleines Kunstwerk an. Ein Kunstwerk mit Macken, das nicht immer funktioniert
und ein Kunstwerk, das sich mir nicht immer ganz erschließt und das nur nach
sehr langem Betrachten verstanden werden kann. Aber es ist und bleibt ein
Kunstwerk mit einem Ende, das mich zufriedenstellt und das mich noch lange über
diese sonderbare Geschichte nachdenken lässt.



Shortlist:


Genre: Endzeitroman, Sci-Fi

Themen: Weltuntergang, Endzeit, Katastrophe, Nachdenken, Reflektion

Idee & Umsetzung: Idee ist völlig neu, Umsetzung funktioniert aber erst sehr spät wirklich gut
Setting: Amerika nach dem Untergang, Toronto
Stimmung/Atmosphäre: düster und bedrückend, melancholisch
Charaktere: sehr viele, teils sehr undurchsichtig
Protagonist/in: verschiedene Erzählinstanzen, verschiedene Charakterzüge und Eigenarten
Schreibstil: poetisch

Ende: etwas offen jedoch zufriedenstellend, ein Happy End kann erahnt werden

Das Licht der letzen Tage ging für mich nicht immer ganz auf. Ich kam sehr schlecht in die Geschichte rein und konnte erst spät einen roten Faden erkennen. Auch die Charaktere waren einfach zu viele. Allerdings macht der wundervolle Schreibstil so einiges wett und auch gegen Ende, sobald einiges aufgeklärt wurde, hat das Lesen deutlich mehr Spaß gemacht. Ich vergebe an Das Licht der letzten Tage 3,5 von 5 Füchschen, die ich auf 3 Füchschen abrunden möchte.

Vielen herzlichen Dank an Piper für das schöne *Rezensionsexemplar.



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