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[Rezension] Girl On The Train – Paula Hawkins | Hörbuch

MissFoxy 28. August 2015


Titel: Girl On The Train
Autor: Paula Hawkins
Gelesen von: Britta Steffenhagen, Rike Schmid und Christiane Marx
Verlag: Randomhouse Audio
Erscheinungsdatum: 15.06.2015
Format: Hörbuch
Seiten: 2 mp3-CDs – 10 Stunden 40 Minuten
Preis:  14.99€ (D) Kaufen? Amazon
(11.99€) Verlag

Reihe: keine

Sie beobachtet dich – und schleicht sich in dein Leben

Jeden Morgen pendelt Rachel mit dem Zug in die Stadt, und
jeden Morgen hält der Zug an der gleichen Stelle auf der Strecke an. Rachel
blickt in die Gärten der umliegenden Häuser, beobachtet ihre Bewohner. Oft
sieht sie ein junges Paar: Jess und Jason nennt Rachel die beiden. Sie führen –
wie es scheint – ein perfektes Leben. Ein Leben, wie Rachel es sich wünscht.

Eines Tages beobachtet sie etwas Schockierendes. Kurz darauf liest sie in der
Zeitung vom Verschwinden einer Frau – daneben ein Foto von »Jess«. Rachel
meldet ihre Beobachtung der Polizei und verstrickt sich damit unentrinnbar in
die folgenden Ereignisse …

Fesselnd, fragil und hochspannend gelesen von Britta Steffenhagen mit Rike
Schmid und Christiane Marx. (Quelle: Verlag)

Als ich dieses Buch bei goodreads als gelesen markiert habe
und dann gesehen habe, wie lange ich dieses Hörbuch tatsächlich gehört habe,
musste ich erst mal erstaunt auf die Datumsangaben schauen. Ich habe mehr als
einen Monat gebraucht um es zu hören. Das kann ich zwar auf die Länge von fast
11 Stunden schieben und auch auf das gute Wetter, das mich mehr Zeit draußen
verbringen lässt aber was ich auch nicht leugnen kann ist, dass Girl On The
Train mir ziemlich zugesetzt hat, weshalb ich die Geschichte immer nur in
kleinere Etappen verfolgen konnte.
Dabei fängt alles ganz harmlos an und wird hören Rachel
dabei zu, wie sie von ihren langweiligen und eintönigen Tagen berichtet, wie
sie jeden Tag mit dem Zug nach London fährt und vorgibt dort zu arbeiten, wie
sie jeden Morgen und jeden Abend an ihrem alten Haus vorbeifährt und wie sie
ein paar Häuser weiter ein glücklich wirkendes Pärchen beobachtet, das sie Jess
und Jason nennt. Ja, es ist fast schon ein wenig langweilig am Anfang. Hätte
mich Rachel nicht so fasziniert. Nicht nur, dass die Stimme von Britta
Steffenhagen perfekt zu dem Bild passt, das sich mir im Kopf von Rachel geformt
habe. Nein, auch Rachel ist eine sehr interessante Persönlichkeit. In ihrem
alten Haus wohnt ihr Ehemann, ihr EXehemann Tom. Zusammen mit seiner neuen Frau
und ihrer kleinen Tochter. Und Rachel, die mehr zu verarbeiten hat, als nur die
Trennung von Tom, wie man später im Buch erfährt, ertränkt ihren Kummer in
Alkohol, wohnt derzeit bei ihrer Freundin. Sie gibt vor noch zu arbeiten, damit
diese sich keine Sorgen macht, was das Geld angeht aber alles, um das es sich
bei Rachel dreht sind der Alkohol und Jess und Jason. Jess und Jason, die
glückliches Leben führen. So hat es auf Rachel auf jeden Fall den Anschein. Bis
Jess verschwindet und Rachel ein paar Puzzleteile zusammensetzt, die bei der
Suche nach Jess helfen könnten.
Und da ist sie, Rachel mittendrin im Fall der verschwundenen
Megan, wie Jess in Wirklichkeit heißt. Auch sie kommt zu Wort und erzählt ihre
Vergangenheit. Ebenso wie Anna, Toms neue Frau, die sich von Rachel verfolgt
und bedrängt fühlt. Trotz meines Interesses für Rachel und auch für Anna und Megan,
war keine der drei Frauen mir wirklich sympathisch. Das ist auch nicht
unbedingt notwendig. Der befremdliche und distanzierte Eindruck der dadurch
entstanden ist hat nur noch mehr zur Atmosphäre im Buch beigetragen. Diese ist
sehr düster und auch irgendwie bedrückend. Das hat auch dazu geführt, dass ich
so lange für das Hörbuch gebraucht habe. Für mich gehört eine düstere Atmosphäre
in ein Buch wie dieses, es jagt uns Gänsehaut über den Körper und man liest
immer mit einem unguten Gefühl in der Bauchgegend, wartet nur darauf, dass
etwas passiert aber dennoch passiert nichts. An vielen Stellen war es dann aber
doch etwas zu viel. Ein paar kleine Lichtblicke zwischendurch hätten nicht
geschadet und mich beim hören ein wenig aus der depressiven Stimmung
herausgeholt. Stattdessen wurde es immer dunkler und schlimmer, was mich dann
an vielen Tagen vom Hören abgehalten hat. Das ist aber auch mein einziger
Kritikpunkt.

Paula Hawkins Schreibstil ist so absolut fesselnd. Sie
schafft es mit einfachen Worten lebendige Charaktere und detailreiche
Landschaften zu schaffen und stellt das Geschehen prägnant dar. Sie ist die
geborene Autorin für Krimis und Thriller und ich hoffe, dass wir nicht zum
letzten Mal von ihr gehört haben. Nicht nur schreiben kann sie gut. Auch
verwirren. Auf der Suche nach dem wahren Ablauf von Megans Verschwinden bzw.
auch auf der Suche nach Megans möglichem Entführer lockt uns die Autorin sehr
oft auf falsche Fährten, macht uns minutenlang weiß, dass wir die Lösung gefunden
haben nur, um dann doch ein wichtiges Detail zu verändern, was alles in einem
völlig anderen Licht erscheinen lässt. Dadurch baut sich die Spannung in Girl
on the Train auf und so fesselt Paula Hawkins den Leser ans Buch, ohne  actiongeladene Szenen oder große Plottwists
einzubauen. Denn rückblickend war das Ergebnis der ganzen Sache schon von vorne
herein vorhersehbar und Paula Hawkins wird für mich die Meistern der Illusion
und der Verwirrung. 

Paula Hawkins ist mit ihrem Roman Girl On The Train in die Liste von meinen Lieblingsthrillerautoren aufgestiegen. Ohne viele Actionszenen schafft sie es, den Leser durch Verwirrung und Illusion an das Buch zu fesseln und überzeugt außerdem durch ihren genialen Schreibstil. Die Charaktere sind nicht unbedingt liebenswürdig, dafür aber sehr interessant und hinter dem Roman steckt viel mehr als die reine Aufklärung von Megans Verschwinden. Einzig die permanent immer düsterer und depressiver werdende Stimmung im Verlauf des Buches hat mir die Lesefreude ein klein wenig genommen. Deshalb bekommt Girl On The Train von mir 4,5 Füchschen, die ich auf 4 von 5 Füchschen abrunde werde, da ich noch einmal eine Steigerung in Paula Hawkins nächstem Roman sehen möchte.

an Randomhouse
Audio für das tolle *Rezensionsexemplar.

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4 Comments

  1. Buechermops Sarah 28. August 2015

    Hey,
    Ich fand die Verwirrung und Illusionen auch ganz toll. 🙂 Irgendwie habe ich ständig mit Rachel mit gelitten bzw. mit gezweifelt. "Was hat sie bloß getan? Könnte sie das getan haben?"

    Ich finde auch, dass die Protagonisten nicht sehr sympathisch waren. Rachel hätte ich gerne ein paar Mal gerne wach gerüttelt. Und ich finde auch, dass die Atmosphäre sehr düster und depressiv war, aber das gehört für mich zu einem Thriller dazu. Mir hat das Buch auch gut gefallen und bin schon gespannt was die Autorin als Nächstes veröffentlicht. 🙂
    Liebe Grüße,
    Sarah

    Antworten
  2. Tanja 28. August 2015

    Jessica Knolls "Luckiest Girl Alive" gibt's ab Anfang November auch auf Deutsch: Der Roman wird sehr häufig mit "Girl on the Train" gleichgesetzt, was ich nur bedingt so sehe (aber eher das als "Gone Girl", dem es auch ähnlich sein soll): Allerdings ist die dortige Hauptfigur mindestens so unsympathisch wie Rachel; naja, eher mehr; und die ganze Geschichte ist auch sehr düster, aber angesichts deiner hier geschilderten Eindrücke könnte ich mir vorstellen, dass Knolls Thriller auch etwas für dich sein könnte. (Ich hab vor knapp sechs Wochen drüber gebloggt; ich verlink hier die Rezension einfach mal mit meinem Namen.)

    Ich hab in diesem Jahr übrigens erst festgestellt, dass ich Thriller lieber lese als höre; beim Lesen kann ich unangenehme Stellen eher übergehen, aber wenn sie mir direkt ins Ohr gesprochen werden: Uuuuuääääh! (Ganz schlimm sind Meuchelszenen; ich hab bei Hörbüchern schnell das Gefühl, ich lausche Psychopathen. *lol* Irgendwie komm ich da eher in die Stimmung, die in der Geschichte vorherrscht, rein, grad wenn Sprecher ihre Arbeit gut machen und nicht einfach nur einsprechen, sondern mit Stimmverfärbungen, Betonungen etc. arbeiten.)

    LG,
    Tanja

    Antworten
  3. Ascari 28. August 2015

    Ich hab "Girl on the Train" noch vor dem deutschen Erscheinungstermin auf Englisch gelesen … Und war so gefesselt, dass ich das Buch in drei Tagen durch hatte. Normalerweise brauche ich für englische Bücher deutlich länger, aber das Englisch war für mich gut verständlich. Das Buch entwickelte eine ganz gewaltige Sogwirkung, vielleicht gerade weil die Figuren so unsympathisch waren? Aber ich fand es eine wohltuende Abwechslung und musste auch einige Male an "Desperate Housewives" denken :).

    Liebe Grüße
    Ascari

    Antworten
  4. Riri 11. September 2015

    Hallo. Ich überlege schon lange ob ich dieses Buch wirklich lesen soll, habe nämlich ein paar Mal von anderen Bloggern gehört, dass dieses Buch nicht so toll sei. Aber nach deiner Rezension habe ich dieses Buch auf die Wunschliste gesetzt. Es klingt sehr interessant.

    Liebe Grüße
    Maria

    Antworten

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