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Rezension | Durch Nacht und Wind – Stefan Lehnberg

MissFoxy 18. April 2017

Durch Nacht und Wind | von Stefan Lehnberg | Verlag: Tropen | erschienen am 11.03.2017 | Übersetzer: – | Hardcover | 237 Seiten | 15,00€ (D) Kaufen?  | Meine Wertung: ★★★★☆ 4 Sterne


Der Großherzog von N. ist zutiefst beunruhigt. Er hat einen Brief erhalten, in dem behauptet wird, dass ein Smaragdring, der sich in seinem Besitz befindet, mit einem alten Fluch beladen sey. Dieser soll unfehlbar den Tod seines Besitzers herbeiführen. Goethe und Schiller werden zur Hülfe gerufen … Anna Amalia, die Mutter von Weimars Regenten Carl August, bittet Goethe und Schiller, den Großherzog, der mit seiner Familie im Lustschloss Belvedere bey Weimar untergebracht ist, aufzusuchen. Sie sollen ihn davon überzeugen, dass die Geschichte mit dem Fluch Unfug sey und er sich keine Sorgen machen müsse. Da der Großherzog sich als höchst unsympathisch erweist, beschließen Goethe und Schiller, ihn in seiner Angst noch zu bestärken. Doch in selbiger Nacht verstirbt der Großherzog. Die Umstände sind der Art, dass weder eine natürliche Todesursache, noch Mord oder Selbstmord in Frage kommen. Eine unmögliche Situation. Goethe und Schiller werden gebeten, die Angelegenheit discret zu untersuchen. (Quelle: Verlag
)

Meine Meinung 

Ich bin ein großer Fan der Weimarer Klassik und habe mein
Herz außerdem an die Sherlock Holmes Geschichten verloren. Dieses Buch ist ein
Retelling der Sherlock Holmes Geschichten mit Goethe in der Rolle von Sherlock
und Schiller in der Rolle von Watson. Für mch klang das vor dem Lesen nach
einer gelungenen Mischung und ich war gespannt, was mir das Buch bringen würde.
Mein größtes Bedenken war die Schrift, die schon im Klappentext leicht
altertümlich anmutet und sich auch durch das ganze Buch ziehen soll. Sprachlich
war das Buch allerdings sehr gut zu lesen. Ich weiß nicht, ob dies daran liegt,
dass ich durch mein Studium mehr Erfahrung, beispielsweise im Lesen von
Klassikern, habe oder ob es allgemein sehr angenehm zu lesen ist. Gestört hat
es mich keinesfalls und hat sogar sehr zur Atmosphäre beigetragen.
Direkt zu Beginn werden Goethe und Schiller in einen
scheinbar mysteriösen Fall hineingezogen, bei dem es nicht mit rechten Dingen
zugeht. Die geschieht mit vielen Verweisen aus das Leben und die Werke der
beiden Dichter und war für Kenner so sehr unterhaltsam. Aber auch der Fall
hielt viele Fragen bereit, die sich im Verlaufe des Buches lösen würden. Dies
geschieht am Ende mit einer tollen und nur dezent geahnten Wendung und konnte
mich damit sehr überraschen.
Sowohl Goethe als auch Schiller sind sehr skurril
dargestellt. Es passte jedoch perfekt zu dem Wissen, das ich über die beiden
hatte und ich habe sie direkt ins Herz geschlossen du ihre historischen
Vorbilder noch mehr lieben gelernt. Die Story hatte jedoch nicht nur viele
Einflüsse der Weimarer Klassik sondern auch auf den Sherlock Holmes
Geschichten. Ich fühlte mich für den Großteil des Buches somit pudelwohl in der
Geschichte und habe sie besonders als Literaturstudentin sehr genossen.
Es gibt jedoch einen großen Kritikpunkt, der mich so sehr
gestört hat, dass er zu Punktabzug geführt hat. Gegen Beginn des letzten
Drittels gab es eine Reihe von Szenen, die mehr einem amerikanischem Actionfilm
aus Hollywood glichen, als einer Mischung aus Goethe, Schiller und Sherlock
Holmes. Es gab Verfolgungsjagden, die nichts mehr mit der Realität zu tun haben
und unnötige Spannung wurde erzeugt, die letztendlich überhaupt keinen Sinn
hatte. Auch die Auflösung vor der eigentlichen Auflösung, in die die ganze
Actionszene mündete wirkte zu einfach und sehr gestellt. Das hätte man meiner
Meinung nach eleganter und vor allen Dingen dem Buch entsprechender lösen
können.

Trotz der
Passage, die mir nicht gefallen hat, konnte mich Durch Nacht und Wind als
Literaturstudentin und besonders als Klassik- und Sherlock Holmes-Fan wirklich
begeistern und abholen. Die Sprache war trotz ihrer altertümlichen Erscheinung
sehr schön zu lesen und an Humor und tollen Wendungen fehlte es ebenfalls
nicht. 

Vielen lieben Dank an den Klett Cotta Verlag für die
Bereitstellung des Exemplars zur *Leserunde.

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