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Rezension | So bin ich nicht (Gretas Storys) – Anneliese Mackintosh

MissFoxy 13. Juni 2016

So bin ich nicht (Gretas Storys) | von Anneliese Mackintosh | Verlag: Aufbau | erschienen am 18.04.2016 | Übersetzer: Gesine Schröder | Hardcover | 256 Seiten | 19.95€ (D) Kaufen?

Wie weit muss man gehen, um neu beginnen zu können? Anneliese Mackintosh erzählt direkt und offen vom Leben einer jungen Frau, deren unschlagbarer Humor nichts weniger ist als ein Überlebensmittel. Miranda July und Lena Dunham haben eine neue Gefährtin: Anneliese Mackintosh, die frischeste und vielversprechendste Stimme Großbritanniens. Greta will nur Liebe, Glück, Mittag essen mit Margaret Atwood, einen echten Orgasmus und summa cum laude für ihre Doktorarbeit, die nur aus Worten besteht, die mit ‚C‘ anfangen. Aber vor allem möchte sie ihren Vater zurück, mit dem Trinken aufhören und einmal mit der gutaussehenden Frau mithalten, die immer neben ihr auf dem Laufband läuft und T-Shirts trägt mit Schriftzügen wie ‚Good is the enemy of great‘. Sie wünscht sich ein normales Verhältnis zu ihrer Mutter und dass ihre Schwester aufhört zu versuchen, sich umzubringen. Sie würde am liebsten nie mehr Kleidung tragen, nie wieder Fleisch essen oder Milch trinken und für radikale politische Ideen kämpfen. Sie würde gern mehr sie selbst sein. Sie würde gern weniger wollen. Denn immer wenn sie etwas erreicht, wird ihr etwas anderes genommen. (Quelle: Verlag)

Lange bevor ich dieses Buch in den Händen halten konnte, gab
es auf lovelybooks eine Vorableserunde, an der ich zwar nicht teilgenommen
habe, deren Rezensionen ich aber gespannt gelesen habe. So bin ich nicht
gehörte zu den Most Wanted Neuerscheinungen aus dem Aufbau Verlag und ich
musste einfach wissen, wie dieses Werk von andere begeisterten Lesern
aufgenommen wird. Die Rezensionen waren bunt gemischt und reichten von
hochgelobt bis abgrundtief schlecht. Als ich dann einige Zeit später das Buch
selbst in den Händen hielt und begann es zu lesen, wusste ich sofort, wieso
sich die Meinungen hier spalteten.
So bin ich nicht. Genau das würde ich antworten, wenn man
mich fragen würde, ob ich mich in Greta erkennen würde. Eine ganz spontane
Antwort und doch glaube ich nicht, dass sie dem gerecht wird. Ich glaube, in
Greta steckt eine komplexe Person, in der sich jede Frau nicht komplett aber zu
Teilen wiederfindet. Das war auch das interessante und faszinierende an Greta.
Das, was sie mich hat mögen lassen, egal, wie anstößig sie ist. Interessant ist
hier natürlich auch die Anmerkung der Autorin, dass 68% der Geschichten im Buch
tatsächlich passiert wurden, sie aber nicht verrät, welche das sind. Das lässt
den Leser natürlich sehr rätseln darüber, wie Anneliese Mackintosh. Außerdem
hat diese mich sehr an Lena Dunham erinnert, deren Buch „Not a kind of Girl“
ich sehr geliebt habe. Ähnlich wie dieses besteht So bin ich nicht auch aus
vielen einzelnen Geschichten, die anachronistisch angeordnet sind. Erst habe
ich mir das sehr problematisch vorgestellt, denn die Geschichte einer fiktiven
Frau, Greta, wird erzählt und ich war mir nicht sicher, ob dieser Weg funktionieren
würde.  Aber das hat er tatsächlich! Am
Ende hatte ich ein umfassendes Bild von Gretas leben, das keiner
chronologischen Handlung bedurfte und auf keinen Fall das Gefühl, etwas
verpasst zu haben. Vielmehr hat man dadurch mehr auf die kleinen Feinheiten
geachtet und ist bedachter ans Lesen gegangen, als es vielleicht anders
passiert wäre.

Ich bin absolut überzeugt von Annelise Mackintoshs
Schreibstil. Wüsste ich es nicht besser, würde ich behaupten, dass es gut war,
dass sie Kreatives Schreiben studiert hat. Ich weiß es aber besser und kann sagen,
dass es nicht reicht Kreatives Schreiben zu studieren, um Autorin zu werden.
Genauso, wie die wenigsten Journalisten werden, die Journalismus studiert
haben. Man braucht Talent und davon hat sie eine ganze Menge. Man wird ganz
vbezaubert von den leichten Worten, mit denen sie tonnenschwere Themen
anspricht und darüber hinaus gab es in den Texten noch mehr zu entdecken. Viele
Texte sind nicht einfach nur Essays sondern haben ein „mehr“, was sie besonders
macht. Kleine Einschübe, Gedichte, Dinge, die von normalen Essays weggehen und
sie im Gedächtnis bleiben lassen. Jede Geschichte beinhaltet eine kleine
Besonderheit und macht das Buch vielfältig und bemerkenswert. 

Mit So bin ich nicht hat Anneliese Mackintosh einen bemerkenswerten Essayroman geschaffen, der sehr wohl anstößig ist, gleichzeitig aber auch wunderschön. Obwohl die Protagonistin Greta dem Leser sehr befremdlich erscheint, schlummert – wie ich glaube – in jedem ein bisschen Greta. Ein sehr zu empfehlendes Werk.
Vielen herzlichen Dank an den
Aufbau Verlag für das schöne *Rezensionsexemplar.



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3 Comments

  1. Jasi Ich 13. Juni 2016

    Huhu liebe Jule ♥

    Ich kann dir bei deiner wundervollen Rezension wirklich nur aus ganzem Herzen zustimmen! Mir hat das Buch auch unglaublich gut gefallen und besonders deine Vermutung, das in jedem eine kleine Greta schlummert, finde ich toll. 🙂

    Alles Liebe,
    Jasi ♥

    Antworten
  2. Hallo Jule,
    hier ist sie also nun, deine Rezension. 🙂
    Sie ist wirklich sehr sehr schön geworden. Das ich zu der etwas negativeren Gruppe gehöre, weißt du ja.
    Aber zumindest bei der Bewertung von ihrem Schreibstil kann ich dir voll und ganz zustimmen.

    Alles Liebe
    Sophie

    Antworten
  3. Piglet 18. Juni 2016

    Oh mein Gott dieses Buch klingt soooo toll! Ich wünschte wir hätten es zusammen gelesen ;)! Ich muss unbedingt demnächst Lena DUnham lesen und direkt danach dieses Schmuckstück suchen 😉

    LG Piglet ♥

    Antworten

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