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[Rezension] Die Brücke – Monica Byrne

MissFoxy 4. November 2015


 Titel: Die Brücke
 Autor: Monica Byrne
 Verlag: Heyne
 Erscheinungsdatum: 10.08.2015
 Übersetzer: Irene Holicki
 Format: Softcover
 Seiten: 448
 Preis:  14.99€ (D) Kaufen?

 Reihe: keine

Eine bessere Zukunft?

Wir schreiben das Jahr 2068: Die Vereinigten Staaten und
Europa sind in die Bedeutungslosigkeit gefallen, Indien und Äthiopien dagegen
die stärksten Wirtschaftsmächte der Welt, deren Mega-Cities ständig mit Energie
versorgt werden müssen. Zu diesem Zweck wurde der TRAIL erfunden – eine
gigantische schwimmende Pontonbrücke, die über das Arabische Meer verläuft,
Indien mit Äthiopien verbindet und Sonnenlicht in Strom umwandelt. Doch der
TRAIL ist auch die letzte Hoffnung für die, die in den pulsierenden
Riesenstädten Indiens keinen Platz mehr finden: Sie wandern über den TRAIL nach
Afrika – für sie ist er die Brücke in eine bessere Zukunft. So wie für Meena
und Mariama, die einander nicht kennen, aber deren Schicksal auf vielfache
Weise miteinander verknüpft ist … (Quelle: Verlag)

Mit Die Brücke habe ich mich einmal mehr in das Sci-Fi-Genre
gewagt. Normal kennt man dieses in Form von Weltraumabenteuern, Schlachten
zwischen gut und böse und einer Welt, die dem Untergang nahe ist. In Die Brücke
überrascht und Monica Byrne mit Sci-Fi der etwas anderen Art und konnte mich
dadurch komplett überzeugen. Gleichzeitig hat es mich aber auch sprachlos
gemacht und ich habe lange gebraucht, um diese Rezension schreiben zu können.
Rom löst Ägypten ab, Europa löst Rom ab, dann wird es von
Amerika abgelöst und dieses von China. Darauf folgt Afrika und nun Indien.
Wovon spreche ich da? Bis Amerika dürfte es euch vielleicht klar sein. Ich
spreche von den Hochkulturen. Von denen, die wirtschaftliche Macht haben, die
führenden Länder auf dem Weltmarkt. Wir stehen gerade bei Amerika und können
einen deutlichen Trend nach China hin erkennen. Die Autorin von Die Brücke
spinnt die ganze Idee ein bisschen weiter und landet nach China bei Afrika und
letztendlich in Indien. Das Thema der Rohstoffknappheit ist heute schon aktuell
und fordert neue Wege der Energiebeschaffung. In Monica Byrnes Welt wurde diese
gefunden. In Form des Trails, der Brücke, der die Wellenenergie auf dem Ozean
benutzt, um Strom zu gewinnen. Dieser spannt sich von Indien aus nach Afrika.
Das Betreten ist strengstens verboten. Dennoch wagen zwei Frauen eine
gefährliche Reise über den Trail. Die eine von Indien aus, die anderen von
Äthiopien aus. Und obwohl sich beide noch nie begegnet sind, ist ihr Schicksal
auf engste Weise verbunden.
Wir lesen das Buch aus der Perspektive von Mariama und der
von Meena. Beides sind keine 0815-Protagonisten. Beide tragen ihr eigenes
Päckchen mit sich herum, haben eine Vergangenheit, die sie verfolgt und zu
ihren Taten anregt. Beide Vergangenheiten werfen am Anfang des Buches eine
Menge Fragen auf und werden im Verlauf des Buches geklärt und fügen so die
Geschichte, wie viele kleine Puzzleteile immer mehr zu einem ganzen zusammen. Nebenbei
erfahren wir auch noch eine ganze Menge über die Gesellschaft der Zukunft, ihre
Ansichten und Denkweisen, über ein komplett geändertes Weltbild. So wird schon
direkt klar, dass in dem Buch nicht irgendein Kamp zwischen gut und böse
elemental ist sondern das Zwischenmenschliche, die Psychologie. Eine ganze
Menge Spannung bekommt Die Brücke dadurch, dass wir außerdem von dem Versuch
Meenas, auf dem Trail zu überleben, erfahren.
Die Brücke ist ein ganz schön schwerer Brocken, was auch
verursacht hat, das ich lange keine Rezension geschrieben habe. Mir haben
schlicht und einfach die Worte gefehlt denn mit den Geschichhten von Mariama
und Meena erfahren wir von ernsten Themen, wie Mord und Sklaverei, der Freiheit
eines selbstbestimmten Lebens und dessen Grenzen und auch von Vergewaltigung,
Eifersucht, Krankheit. Mehrmals scheitern die Protagonisten und ich habe
mehrmals weinen müssen, bin mehrmals vor Ekel zusammengezuckt. Und so
fasziniert ich von dieser Geschichte bin, muss ich vorsichtig sein, wem ich sie
empfehle. Denn Die Brücke ist hart, nicht immer gerecht und gerade Jugendliche,
besonders etwas jüngere Leser haben damit wahrscheinlich zu viel zu kämpfen.
Für alle, die „alt genug“ sind ist dieses Buch aber ein absolutes Must Read.

Zu guter Letzt möchte ich allerdings noch einen kleinen
Kritikpunkt loswerden, der allerdings nicht maßgeblich in die Bewertung mit
einfließen wird. Für mich war es sehr schwer, sich einerseits den Trail
vorzustellen, andererseits die Strecken, die sowohl Meena als auch Mariama
zurücklegen. An dieser Stelle hätte ich mir einfach sehr eine Karte gewünscht,
sowie eine Zeichnung des Trails. 

Die Brücke ist ein hartes Buch, welches mir noch sehr lange im Gedächtnis bleiben wird. Obwohl es eine so schwere Kost ist, kann ich es jedem empfehlen, der sich bereit dafür fühlt, denn der Roman überzeugt mit vielen Rätseln, interessanten Protagonistinnen und einem atemberaubenden Weltenentwurf. Die Brücke bekommt von mir 5 von 5 Füchschen.

Vielen herzlichen Dank an Heyne für das tolle *Rezensionsexemplar.





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1 Comments

  1. Sonja lovinbooks 4. November 2015

    Huhu liebe Julia,

    wow, also das Buch hört sich schon durchaus spannend an, aber ich wage zu bezweifeln, dass es meinen Geschmack treffen würde. Momentan zumindest. Irgendwie bin ich gerad auf dem Trip der seichten Liebes und Kitschromane 😀

    Liebste Grüße

    Sonja

    Antworten

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